Urs Imboden - der moderne Slalom-Exote:

 

 Der beständigste Schweizer Slalomfahrer in diesem Winter ist einer, der gar nicht mehr für die Schweiz startet: Urs Imboden, 34 Jahre alt, von Swiss Ski mangels Leistungen ausgemustert, heute für Moldawien unterwegs.

Wie schon in Zagreb konnte sich Urs aus dem Val Mustair als 25. auch in Adelboden für den zweiten Lauf qualifizieren - im Gegensatz zu den Swiss-Ski-Vertretern, die wie in Zagreb einen glatten Nuller lieferten. Urs wurde 27., obschon ihm noch ein Stock gebrochen war.

Früher gab's die Exoten im Weltcup. Heute gibt's Urs Imboden. Er trainiert mit bescheidensten Mitteln, die Ski bekommt er von Fischer gratis, Geld natürlich keines.

2002 war er Fünfter im Olympia-Slalom, nur sieben Hundertstel hinter der Bronzemedaille. Heute freut er sich über Qualifikationen für zweite Läufe und ärgert sich nicht, wenn er wie in Zagreb im zweiten Lauf ausfällt. ''Wenigstens habe ich voll risikiert, ein 25. Rang hätte mir ja auch nicht viel gebracht.''

Vor zwölf Jahren hat Urs Imboden, damals für die Schweiz, sein Debut im Weltcup gegeben, im Slalom von Wengen. In Adelboden hat er jetzt sein 90. Rennen bestritten. Ob er die 100 noch voll machen kann, weiss er nicht.

Im Sommer war er in Neuseeland, hat dort als Trainer gearbeitet und selbst natürlich auch trainiert. ''Ich wollte dabei schauen, ob eine Trainerkarriere etwas für mich sei", sagt Urs. ''Der Job hat mir gefallen. Aber die Frage stellt sich: Will ich mein ganzes Leben nur im Skirennsport verbringen? Bis heute gab es nichts anderes. Aber muss das auch in Zukunft so sein? Sollte ich nach dem Rücktritt als Rennfahrer nicht auch den Schritt aus dem Skisport vollziehen?"

Urs Imboden ist ein intelligenter, sympathischer Bursche aus Santa Maria. Von dort ging er in Scuol zur Schule. Das Handelsdiplom hat er im Sack, aber einen eigentlichen Beruf nie erlernt. Das erleichtert die Neuorientierung nicht. Aber dieses Problem haben fast alle, die Mitte 30 die Ski zur Seite stellen. Was jetzt? Urs Imboden wird dann den Weg finden. Schön wär's, wenn er dem Skisport erhalten bliebe. Es muss ja nicht unbedingt als Trainer sein.